Ratgeber

Ratgeber

Deepfakes von dir im Netz: Was du tun kannst

Ein Deepfake setzt dein Gesicht in Bilder oder Videos, die es nie gab. So sicherst du Beweise, meldest die Fälschung bei Plattform und Google, verhinderst neue Uploads und erstattest Anzeige. Stand November 2026.

Von Redaktion Modelsuche · Stand: 4.11.2026 · 8 Min. Lesezeit

Kurz erklärt

Ein Deepfake ist ein mit KI gefälschtes Bild oder Video, das dein Gesicht in eine Szene setzt, die es nie gab, oft als angebliches Nacktbild. Du kannst dagegen vorgehen: Beweise sichern, die Fälschung bei der Plattform als nicht einvernehmliche intime Darstellung melden und den Treffer über Googles Formular aus der Suche löschen lassen. Bei vielen Fundstellen übernimmt ein Takedown-Dienst wie leak.red die Meldungen.

Woran du einen Deepfake von dir erkennst

Für Creatorinnen tauchen Fälschungen meist in vier Formen auf:

  • Face-Swap: Dein Gesicht wurde auf den Körper einer anderen Person montiert, in ein Foto oder Video.
  • KI-Nacktbilder: Eine App hat aus einem normalen Foto, etwa einem Bikini- oder Dessous-Teaser von deinem Instagram, ein angebliches Nacktbild erzeugt.
  • Fake-Profile: Jemand betreibt unter deinem Künstlernamen einen Account mit KI-Bildern von dir und verkauft angebliche Inhalte.
  • Falsche Zuordnung: Dein Name oder Alias steht auf Pornoseiten neben Material, das gar nicht von dir stammt.

Für Fans sieht so etwas oft aus wie ein Leak deiner Bezahlinhalte. Das schadet deinem Ruf und kostet dich Abos, auch wenn du die Bilder nie gemacht hast.

Schritt 1: Beweise sichern, bevor du meldest

Sobald eine Meldung durch ist, ist die Fundstelle weg und mit ihr der Beweis. Halte deshalb vorher fest:

  1. Screenshot jeder Fundstelle mit sichtbarer Adresszeile und Datum. Google erlaubt ausdrücklich, Screenshots so zuzuschneiden, dass nur dein Gesicht zu sehen ist.
  2. Liste der URLs, eine Zeile pro Fundstelle, mit dem Tag, an dem du sie gefunden hast.
  3. Profilname und Link des Uploaders, falls erkennbar.

Schreib den Uploader nicht an und zahl nichts, falls jemand Geld für das Löschen verlangt. Wie du systematisch nach weiteren Kopien suchst, steht im Haupt-Ratgeber Leaks von dir im Netz finden und entfernen.

Schritt 2: Bei der Plattform melden, mit dem richtigen Grund

Wähl im Meldeformular den Grund, der zur Fälschung passt, etwa „Nacktheit ohne Einwilligung“ oder „nicht einvernehmliche intime Inhalte“, nicht „Spam“. Je nach Sitz des Anbieters stützt sich deine Meldung auf ein anderes Gesetz:

  • Anbieter in der EU: Meldung nach Art. 16 Digital Services Act (DSA), auf Deutsch möglich. Der Anbieter muss sie prüfen und dir seine Entscheidung mitteilen. Ein Deepfake, der dein Persönlichkeitsrecht verletzt, ist in Deutschland ein rechtswidriger Inhalt.
  • Anbieter in den USA: Seit dem 19. Mai 2026 verpflichtet der TAKE IT DOWN Act Plattformen, nicht einvernehmliche intime Darstellungen, ausdrücklich auch digital erzeugte, innerhalb von 48 Stunden nach einer gültigen Meldung zu entfernen. Die Meldung braucht deine Unterschrift (getippter Name genügt meist), die Fundstelle, eine kurze Erklärung, dass du nicht eingewilligt hast, und deine Kontaktdaten.
  • Fälschung aus deinem eigenen Foto: Hast du das Ausgangsbild selbst aufgenommen, liegen die Rechte daran bei dir. Dann ist zusätzlich eine Urheberrechtsmeldung möglich, wie im Ratgeber DMCA-Takedown erklärt beschrieben. Hat eine Fotografin das Bild gemacht, kann sie oder du mit ihrer Vollmacht melden.

Liegt das Fake auf einer Seite ohne Meldeformular, geht die Meldung an den Hoster der Seite. Die Wege dahin beschreibt der Ratgeber Leaks von 4based, Maloum und Brezzels entfernen.

Schritt 3: Aus der Google-Suche entfernen lassen

Google hat ein eigenes Formular für „persönliche sexuelle Inhalte“. Laut Google-Hilfe gilt es ausdrücklich auch für gefälschte Inhalte, die mit Bildbearbeitung oder KI erstellt wurden, und für Seiten, auf denen dein Name oder Alias mit Pornoseiten in Verbindung gebracht wird, die nichts mit dir zu tun haben.

  • Wer darf: nur du selbst oder deine gesetzliche Vertretung.
  • Was du angibst: die URLs der Seiten und am besten Screenshots. Google prüft nur die URLs, die du einträgst.
  • Duplikate: Bei sexuellen Bildern sucht Google laut Hilfeseite standardmäßig auch nach Kopien in der Suche und entfernt sie mit.
  • Ergebnis: Über die Entscheidung bekommst du eine E-Mail. Die Seite selbst bleibt online, nur der Treffer verschwindet. Deshalb gehören Schritt 2 und 3 zusammen.

Schritt 4: Neue Uploads mit StopNCII blockieren

StopNCII.org ist ein kostenloser Dienst der britischen Revenge Porn Helpline. Du wählst das Bild auf deinem Gerät aus, der Dienst errechnet daraus einen digitalen Fingerabdruck (Hash) und gibt nur diesen an teilnehmende Plattformen weiter, die passende Uploads erkennen und blockieren können. Laut FAQ von StopNCII zählen Deepfakes dazu, wenn sie dich zeigen, du die Datei hast und sie nackt oder halbnackt ist.

Schritt 5: Anzeige erstatten und Rechtslage in Deutschland

  • Geltendes Recht: Nach § 22 Kunsturhebergesetz (KUG) dürfen Bildnisse grundsätzlich nur mit Einwilligung verbreitet werden. Wer dagegen verstößt, kann sich nach § 33 KUG strafbar machen (Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder Geldstrafe). Zivilrechtlich kannst du Unterlassung und Löschung verlangen.
  • Geplante Verschärfung: Das Bundeskabinett hat am 7. Oktober 2026 einen Gesetzentwurf gegen digitale Gewalt beschlossen. Er sieht laut HateAid zwei neue Straftatbestände vor: sexualisierte Deepfakes im Sexualstrafrecht (§ 184k Abs. 1 Nr. 4 StGB-E), und zwar schon ihre Herstellung, sowie allgemein täuschende Deepfakes (§ 201b StGB-E). Stand November 2026 ist das ein Entwurf, noch kein geltendes Recht.
  • EU-Vorgabe: Die Richtlinie (EU) 2024/1385 verpflichtet alle Mitgliedstaaten, das Herstellen und Verbreiten sexueller Deepfakes ohne Einwilligung bis zum 14. Juni 2027 unter Strafe zu stellen.

Anzeige erstattest du bei jeder Polizeidienststelle oder über die Onlinewache deines Bundeslandes, mit Screenshots und URL-Liste. Kostenlose Beratung und in geeigneten Fällen Prozesskostenfinanzierung bietet die gemeinnützige Organisation HateAid aus Berlin.

Wenn es zu viele Fundstellen sind: leak.red

Ein einzelnes Fake meldest du an einem Abend selbst. Verbreitet es sich über Foren, Messenger und Filehoster, kann ein Takedown-Dienst die Suche und die Meldungen übernehmen. leak.red von der spottedPanda Digital GmbH aus Berlin sucht laut Website mit Gesichtserkennung rund um die Uhr nach Deepfakes deines Gesichts, sichert zu jedem Fund URL, Zeitstempel und Screenshot und verschickt Löschanfragen nach DMCA oder DSA in deinem Namen.

  • Google: leak.red ist laut eigener Website Mitglied in Googles Trusted Copyright Removal Program.
  • Hartnäckige Seiten: Ignoriert ein Hoster Meldungen, setzt leak.red laut Website auf die Entfernung aus Google und Bing und auf Meldungen an vorgelagerte Dienste wie Cloudflare oder Zahlungsanbieter.
  • Eigene Funde: Links, die du selbst entdeckst, reichst du im Dashboard oder in der App ein.
  • Preis: 99,00 € pro Monat bei monatlicher Laufzeit, 84,15 € bei 6 und 74,25 € bei 12 Monaten, jeweils netto zzgl. MwSt., nur für Unternehmer. Das Abo verlängert sich, wenn du nicht 14 Tage vor Laufzeitende kündigst. Stand November 2026, laut Website.
  • Grenzen: Ob eine Fälschung verschwindet, entscheidet die jeweilige Plattform. Rechtsberatung gehört nicht zum Angebot.

Deine echten Profile sichtbar machen

Gegen Fakes hilft auch, dass Fans dein Original leicht finden. Schreib in deine Bios, auf welchen Plattformen du wirklich bist, und verlinke nur diese. Auf Modelsuche führt jedes Creator-Profil direkt zum offiziellen Account bei 4based, Maloum, Brezzels oder AdmireMe; wie du dort gelistet wirst, steht unter Creator werden. Taucht auf Modelsuche selbst ein Bild oder Profil auf, das nicht von dir stammt, meldest du es über Inhalte melden und entfernen.

Quellen

Häufige Fragen

Ist ein Deepfake von mir in Deutschland strafbar?

Das Verbreiten kann schon heute strafbar sein, denn nach § 22 und § 33 KUG darf grundsätzlich niemand dein Bildnis ohne Einwilligung verbreiten. Einen eigenen Straftatbestand für Deepfakes gibt es noch nicht: Der Entwurf des Bundeskabinetts vom 07.10.2026 ist noch nicht beschlossen.

Muss ich die Fälschung irgendwo hochladen, um sie zu melden?

Nein. Für Plattform und Google reichen die URLs, Screenshots darfst du auf dein Gesicht zuschneiden. Bei StopNCII bleibt die Datei auf deinem Gerät, weitergegeben wird nur ihr digitaler Fingerabdruck.

Was mache ich, wenn jemand mit einem Deepfake Geld von mir verlangt?

Nicht zahlen und nicht verhandeln, denn eine Zahlung beendet die Erpressung selten. Sichere Nachrichten, Profilnamen und Zahlungsdaten als Screenshots, blockiere den Absender und erstatte Anzeige bei der Polizei.

Kann ich auch KI-Bilder melden, die mich im Bikini zeigen?

Ja. Ohne deine Einwilligung darf grundsätzlich niemand dein Bildnis verbreiten, und stammt das Ausgangsfoto von dir, greift zusätzlich das Urheberrecht. Strafrechtlich ist es schwieriger: Laut HateAid soll das Herstellen solcher Bilder nach dem aktuellen Entwurf erlaubt bleiben und das Verbreiten nur strafbar sein, wenn es deinem Ansehen erheblich schadet.

Wie schnell verschwindet ein Deepfake nach der Meldung?

Das hängt vom Anbieter ab. US-Plattformen müssen nach dem TAKE IT DOWN Act innerhalb von 48 Stunden nach einer gültigen Meldung handeln, EU-Plattformen nach dem DSA zügig entscheiden. Bei Google kommt das Ergebnis per E-Mail, eine feste Frist nennt Google nicht.

Weitere Ratgeber

Genug gelesen? Entdecke echte Creator.